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Hydraulischer Abgleich: Pflichten, Kosten, Nutzen und Umsetzung

  • Autorenbild: Zeller & Partner | Real Estate
    Zeller & Partner | Real Estate
  • 23. Sept. 2024
  • 5 Min. Lesezeit
Heizkörper an der Wand

Der hydraulische Abgleich von Heizungsanlagen ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Optimierung des Energieverbrauchs in Gebäuden. Er sorgt dafür, dass Heizungen effizienter arbeiten, Heizkosten sinken und der CO₂-Ausstoß reduziert wird. Angesichts der steigenden Energiepreise und ambitionierten Klimaziele hat der Gesetzgeber in Deutschland den hydraulischen Abgleich für bestimmte Gebäude sogar verpflichtend gemacht. In diesem Beitrag beleuchten wir alle Aspekte rund um den hydraulischen Abgleich: von der Funktionsweise und den Kosten über die gesetzlichen Vorgaben bis hin zu Fördermöglichkeiten.


Überblick und rechtliche Grundlagen


Seit dem 1. Oktober 2022 schreibt die Energiespar-Verordnung (EnSimiMaV) einen verpflichtenden hydraulischen Abgleich für Gebäude mit Gaszentralheizungen vor. Diese Verordnung zielt darauf ab, die Energieeffizienz von Heizungsanlagen zu verbessern und Energieverschwendung zu vermeiden. Betroffen sind Wohngebäude mit sechs oder mehr Wohneinheiten sowie Nichtwohngebäude mit über 1.000 Quadratmetern beheizter Fläche. Eigentümer dieser Gebäude müssen den hydraulischen Abgleich innerhalb festgelegter Fristen umsetzen, sofern dieser nicht bereits erfolgt ist.


Effizient heizen mit dem hydraulischen Abgleich


Aktuell laufen viele Heizungsanlagen in deutschen Haushalten an bis zu 200 Tagen im Jahr auf Hochtouren – oftmals mit einer Leistung, die weit über das notwendige Maß hinausgeht. Dies führt nicht nur zu unnötig hohen Energiekosten, sondern auch zu einem höheren CO₂-Ausstoß. Ein hydraulischer Abgleich sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Wärme im gesamten Gebäude und stellt sicher, dass die Heizungsanlage effizient arbeitet.


Funktionsweise des hydraulischen Abgleichs


Der hydraulische Abgleich ist ein technischer Prozess, der sicherstellt, dass das Heizungswasser optimal im gesamten Heizsystem verteilt wird. Dabei werden folgende Schritte durchgeführt:


1. Ermittlung der Durchflussmengen: Die benötigte Wassermenge wird für jeden Heizkörper individuell berechnet, sodass jeder Raum die genau benötigte Wärme erhält.


2. Regulierung der Heizungskomponenten: Nach der Berechnung der Wassermengen werden die Strangregulierventile, Thermostatventile und Differenzdruckregler optimal eingestellt.


3. Optimierung der Vorlauftemperatur: Durch den Abgleich kann die Vorlauftemperatur der Heizanlage häufig deutlich gesenkt werden, was zu einer weiteren Energieeinsparung führt.


4. Anpassung der Pumpenleistung: Die Leistung der Umwälzpumpe wird so eingestellt, dass genau die richtige Wassermenge durch die Heizungsrohre fließt, um alle Räume gleichmäßig zu beheizen.


Durch den hydraulischen Abgleich wird die Wärme gleichmäßig im Gebäude verteilt, sodass überheizte oder zu kalte Räume der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig sinken der Energieverbrauch und die Heizkosten, ohne dass der Wohnkomfort leidet. Geräusche wie rauschende Heizkörper werden ebenfalls beseitigt, da die Wassermengen besser kontrolliert werden.


Wann ist ein hydraulischer Abgleich sinnvoll?


Eine ineffiziente Heizanlage kann unterschiedliche Ursachen haben, wie etwa veraltete Heizpumpen, nicht korrekt eingestellte Ventile oder Fehler im Rohrnetz. Solche Mängel führen häufig dazu, dass die Vorlauftemperatur unnötig erhöht oder die Pumpenleistung überdimensioniert ist, um Defizite auszugleichen.


Indizien für eine ineffiziente Heizanlage, die auf einen notwendigen hydraulischen Abgleich hinweisen, sind:


  • Unterschiedliche Raumtemperaturen:

Wenn manche Räume zu kalt und andere zu warm sind.


  • Geringe Spreizung zwischen Vor- und Rücklauftemperaturen:

Ein Zeichen dafür, dass die Wärmeverteilung nicht optimal ist.


  • Hohe Vorlauftemperaturen:

Sie deuten darauf hin, dass das System ineffizient arbeitet.


  • Überhöhte Pumpenleistung:

Wenn die Umwälzpumpe zu stark eingestellt ist, läuft die Heizung mit unnötig hohem Energieaufwand.


  • Geräusche in der Anlage:

Rauschende oder knatternde Heizkörper sind oft auf einen unausgeglichenen Heizkreislauf zurückzuführen.


Pflicht zum hydraulischen Abgleich


Der hydraulische Abgleich ist nicht nur eine sinnvolle Maßnahme zur Effizienzsteigerung, sondern in vielen Fällen auch gesetzlich vorgeschrieben. Laut der Energiespar-Verordnung (EnSimiMaV) müssen Eigentümer von Wohngebäuden mit mehr als sechs Wohneinheiten seit dem 1. Oktober 2022 einen hydraulischen Abgleich durchführen lassen. Für Nichtwohngebäude mit über 1.000 Quadratmetern beheizter Fläche gilt die gleiche Pflicht. Eine Ausnahme besteht nur, wenn bereits ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wurde oder eine umfassende Sanierung, wie z. B. ein Heizungstausch, innerhalb der nächsten sechs Monate geplant ist.


Im Neubau ist der hydraulische Abgleich bereits seit längerem nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) vorgeschrieben. Mit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) im Januar 2024 wurden die Fristen und Vorgaben für Bestandsgebäude weiter konkretisiert. Gebäude mit sechs bis neun Wohneinheiten müssen bis zum 15. September 2024 einen hydraulischen Abgleich vornehmen, sofern dies nicht bereits geschehen ist. Für größere Gebäude galt der Stichtag 30. September 2023.


Wirtschaftliche Vorteile und Einsparpotenziale


Der hydraulische Abgleich ist eine der effizientesten Maßnahmen zur Heizungsoptimierung. Eine Studie der Ostfalia Hochschule von 2017 zeigt, dass sich ein hydraulischer Abgleich besonders schnell bei Gebäuden amortisiert, die nach 1978 erbaut wurden oder gut gedämmt sind. Abhängig von der Methode und den individuellen Gegebenheiten können Einsparungen von bis zu 18 % erzielt werden, insbesondere bei temperaturbasierten, digitalen Verfahren. Der Branchendurchschnitt liegt hingegen bei 7 bis 12 %.


Das Einsparpotenzial hängt auch stark von der eingesetzten Methode ab. Ein Abgleich, der auf Temperaturmessungen basiert, liefert präzisere Ergebnisse als Verfahren, die nur auf Berechnungen beruhen. Dies liegt daran, dass in älteren Gebäuden oft viele Berechnungsparameter fehlen, wie etwa die genaue Beschaffenheit des Rohrnetzes, und daher auf Näherungen zurückgegriffen werden muss.


Kosten des hydraulischen Abgleichs


Die Kosten für einen hydraulischen Abgleich variieren je nach Größe des Gebäudes, Art der Heizanlage und der angewendeten Methode. Grundsätzlich gilt, dass der Abgleich von einem Fachbetrieb durchgeführt werden sollte, da es sich um ein komplexes Verfahren handelt.


Folgende Faktoren beeinflussen die Kosten:


  • Methode des Abgleichs: Ein temperaturbasierter, digitaler Abgleich ist die genaueste, aber auch kostspieligste Methode. Die Kosten liegen bei etwa 150 Euro pro Heizfläche.


  • Anzahl der Heizflächen: Je mehr Heizkörper vorhanden sind, desto teurer wird der Abgleich.


  • Zustand der Heizanlage: Veraltete oder ineffiziente Heizungsanlagen erfordern oft zusätzliche Maßnahmen, wie etwa den Austausch der Heizungspumpe.


  • Zusätzliche Leistungen: Wenn beispielsweise die Kommunikation mit Mietern oder der Tausch von Pumpen nötig ist, können zusätzliche Kosten anfallen.


Umstritten ist, ob ein hydraulischer Abgleich als Modernisierungsmaßnahme angesehen werden kann und somit umlegbar auf die Mietnebenkosten ist. Während einige Gerichte wie das Amtsgericht Charlottenburg die Maßnahme als Instandhaltung einstufen und eine Umlage nicht zulassen, argumentieren andere, dass die Mieter durch die Energieeinsparung profitieren und daher eine Umlage gerechtfertigt ist.


Fördermöglichkeiten für den hydraulischen Abgleich


Der hydraulische Abgleich ist förderfähig, wenn die Maßnahme nicht aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen durchgeführt wird. Für Bestandsgebäude mit bis zu fünf Wohneinheiten sowie kleinere Nichtwohngebäude kann eine Förderung über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Der Fördersatz beträgt 15 % der förderfähigen Kosten. Weitere 5 % Zuschuss sind möglich, wenn der Abgleich Teil eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist.


Größere Wohngebäude können alternativ über die KfW-Bank im Rahmen des Programms „Sanierung zum Effizienzhaus“ einen Kredit erhalten. Hier wird der hydraulische Abgleich als Teil der energetischen Sanierung gefördert.


Fristen und gesetzliche Vorgaben im Überblick


Die wichtigsten Fristen für den hydraulischen Abgleich im Rahmen der EnSimiMaV und des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sind:


15. September 2024: Frist für Mehrfamilienhäuser mit 6 bis 9 Wohneinheiten, um die Gaszentralheizung zu überprüfen und bei Bedarf einen hydraulischen Abgleich durchzuführen.

30. September 2023: Stichtag für größere Mehrfamilienhäuser ab 10 Wohneinheiten, um den hydraulischen Abgleich abzuschließen.

1. Oktober 2024: Ab diesem Zeitpunkt ist der hydraulische Abgleich für alle neu errichteten Heizungsanlagen gesetzlich verpflichtend.


Fazit


Der hydraulische Abgleich ist eine effektive Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs und der Heizkosten. Zudem trägt er erheblich zum Klimaschutz bei.


Disclaimer

Dieser Blogbeitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine rechtliche Beratung dar. Aufgrund der sich ständig ändernden Rechtslage, insbesondere im Bereich der Energievorschriften, ist es ratsam, sich bei konkreten Fragen an einen Fachanwalt oder Energieberater zu wenden. Die hier dargestellten Inhalte wurden nach bestem Wissen erstellt, jedoch kann keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen übernommen werden.


Quellenangaben

VdZ – Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie e. V. (2023). "Hydraulischer Abgleich und seine Vorteile."

co2online (2023). "FAQ Hydraulischer Abgleich."

BAFA (2023). "Förderprogramm Heizungsoptimierung."

Zukunft Altbau (2023). "Heizungsoptimierung und hydraulischer Abgleich."

VerwalterPraxis Gold Online, Redaktion, HI16508352 Stand: 18.09.2024


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